Lernen im Miteinander: Was Schule von Sport lernen kann
Achtzehn Jahre lang war ich Leistungssportler – im Judo und im Kraftsport. Und je länger ich Lehramt studiere, desto klarer sehe ich: Auf der Matte und in der Trainingshalle lernt man oft mehr über das Zusammenleben als in mancher Theoriestunde. Nicht statt der Schule – aber als ihre beste Ergänzung.
Regeln, die alle akzeptieren
Im Sport gelten Regeln für alle gleich. Sie sind nicht da, um zu gängeln, sondern um ein faires Spiel überhaupt erst möglich zu machen. Genau das ist auch das Prinzip einer Demokratie: gemeinsame Regeln, die für alle gelten – auch für die, die gerade gewinnen.
Niederlagen aushalten
Gerade im Judo lernt man früh, zu verlieren, ohne den Gegner zum Feind zu erklären. Vor und nach jedem Kampf verbeugt man sich voreinander – als Zeichen des Respekts. Diese Fähigkeit, fair zu verlieren und respektvoll zu gewinnen, ist eine zutiefst demokratische Tugend. Sie fehlt uns gesellschaftlich manchmal mehr, als wir zugeben wollen.
Auf der Matte zählt nicht, wer am lautesten ruft, sondern wer mit Haltung und Respekt antritt.
Aufeinander angewiesen sein
Auch der Einzelsport ist kein einsamer Weg: Ohne Trainingspartner, ohne Trainer, ohne ein Gegenüber, das einen fordert, kommt man nicht weiter. Im Sport begegnen sich Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft – und finden über gemeinsame Regeln und gegenseitigen Respekt zu einem harmonischen Miteinander. Genau das wünsche ich mir auch für das Klassenzimmer.
Vielleicht ist das mein wichtigstes pädagogisches Ziel: jungen Menschen das Gefühl zu geben, Teil von etwas zu sein – und Verantwortung füreinander zu übernehmen.